Arbeiten im „Damentrakt“

Hausordnung

Dr. Kristina Pfarr, Leiterin des Bereichs Universitätsförderung und Alumni innerhalb der Stabsstelle Kommunikation und Presse der JGU, zeigt eine alte Wohnheim-Hausordnung.

 

 

Die Hausordnung erinnert mich daran, wie unterschiedlich Gebäude der JGU über die Jahre hinweg genutzt wurden. So auch der mittlerweile abgerissene Altbau der Hochschule für Musik am „Binger Schlag“, in dem auch das damalige Institut für Kunstgeschichte beheimatet war. Das Haus gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg der traditionsreichen Mainzer Firma Teppich-Ganz. Deren Inhaber Felix Ganz hatte sein Geschäft  in der Ludwigsstraße 1936 aufgeben müssen und war zusammen mit seiner Frau deportiert und ermordet worden. Das im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstörte Gebäude wurde wieder aufgebaut und 1954 schließlich Sitz des  „Staatlichen Hochschulinstituts für Musik“, der heutigen Hochschule für Musik an der JGU.

 

 

Anfang der 2000-er Jahre bezog ich, damals zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und künstlerischen Betrieb der Musikhochschule, ein Eckbüro im obersten Stockwerk der Binger Straße 25/Ecke Goßlerweg: Zwei Fenster, ein extra Vorraum für Archiv-Akten und den Kopierer; in eine Nische bauten die netten Hausmeister Regale ein. Und es gab einen Einbauschrank. Dieser hatte offenbar seine besten Tage schon hinter sich, und eine der ersten Arbeiten bestand darin, die mit Reißzwecken befestigte Papierbeschichtung der einzelnen Einlegeböden zu entfernen. Innen an der Schranktür fand sich die – ebenfalls mit Reißzwecken befestigte – Hausordnung, die dort zusammen mit dem Schrank die Jahre überdauert hatte. Denn bis etwa Ende der 70-er Jahre wurde das oberste Stockwerk des Gebäudes als Wohnheim für die Musik-Studierenden genutzt. Die Hausregeln atmen noch den Geist der Vor-68-er Ära, es herrschte natürlich strikte Geschlechtertrennung in den einzelnen Trakten. Trotzdem wurde gern und intensiv gefeiert, wie ehemalige Bewohner/innen versichern. Auch heute dürfte es dort wieder „Party“ geben,  denn auf dem Grundstück am Binger Schlag wurde kürzlich ein neues Studierendenwohnheim errichtet – allerdings ohne Musikhochschule in den unteren Stockwerken.

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