Der Campus als Heimat

Vogelhaus

Vogelhaus
2016 // Holz,
Kunststoff // Replik

Bierkrug
1993 // Glas, Zinn //
Leihgabe Franz
Schrohe

Verwundert hält der Student kurz inne, wenn er auf seinem eiligen Weg zur nächsten Vorlesung über den Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein Bild erblickt, das nicht ganz hierher zu passen scheint: ein altes Ehepaar, das gemütlich auf einer Bank sitzt, inmitten einer kleinen, grünen Oase. Doch für mehr als einen kurzen Gruß bleibt keine Zeit.

So entgehen ihm Geschichten, die nicht weniger zum Campus gehören als die hin und her eilenden Studierenden. Das Ehepaar Schrohe weiß einiges zu berichten aus vergangenen Zeiten. Seit inzwischen 48 Jahren wohnen sie hier in einem der Häuser am Friedrich- von-Pfeiffer-Weg neben dem Philosophicum. Zur Wohnung gehört ein kleiner Garten, in dem liebevoll gepflegte Blumen und Kräuter wachsen. Ein Vogelhäuschen gewährt den Vögeln Unterschlupf.

„Die Uni ist für uns unser Zuhause“, fasst Franz Schrohe zusammen. Wie aber kommt es, dass die Schrohes mitten auf dem Campus wohnen? Anita Schrohe arbeitete einige Jahre als Stenotypistin in der Universitätsverwaltung, ihr Mann bewahrte im campuseigenen Heizkraftwerk Generationen von Studierenden und Mitarbeitern vor dem Frieren, 35 Jahre lang. Ein Bierkrug mit Gravur, den er von den Kollegen als Abschiedsgeschenk erhalten hatte, erinnert in einer Wohnzimmervitrine an diese Zeit. Viele der Wohnungen am Pfeiffer-Weg sind Dienstwohnungen, die meisten Nachbarn kennen sich seit Jahrzehnten, ihre Kinder wuchsen gemeinsam auf.

Wie lange das Wohnidyll noch bestehen wird, ist jedoch ungewiss. Die Häuser sind in schlechtem Zustand, eine Sanierung ist nicht mehr möglich; auch wird der Platz für Zwecke der Universität benötigt.

 

Bjanka Varmaz

Studentin der Kulturanthropologie/Volkskunde

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